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Spanien

Clara Campoamor Rodríguez (Madrid, 1888 – Lausanne, 1972)

Clara Campoamor Rodríguez wurde am 12. Februar 1888 in Madrid geboren. Nach dem recht frühen Tod ihres Vaters verlässt sie die Schule und nimmt verschiedene Arbeiten als Schneiderin oder Verkäuferin an, um ihrer Mutter beim Unterhalt der Familie zu helfen.

 

1909 besteht sie eine Prüfung für den niederen Beamtendienst, 1914 wird sie nach einer weiteren Prüfung die erste Dozentin der staatlichen Erwachsenenbildung für Kurzschrift und Maschinenschreiben. Sie arbeitet außerdem als Schreibkraft im Bildungsministerium und für Salvador Cánovas, den Direktor der liberalkonservativen Zeitung La Tribuna, damals eine der innovativsten und meistgelesenen Tageszeitungen. Darin schreibt sie gelegentlich für die Kulturseiten über Themen, die mit dem „Leben der Frau“ zu tun haben.

 

Wenn sie Zeit hat, übersetzt sie aus dem Französischen und besucht so oft wie möglich die Veranstaltungen des Ateneo, eines Kulturvereins mit einem sehr vielfältigen und anregenden Programm. Ateneos gab es damals in allen größeren Städten.
Durch den Streik von 1917 wird ihr Interesse an Politik geweckt. Ab 1922 entwickelt sie eine äußerst intensive Vereinsaktivität. Sie holt ihr Abitur nach, im Dezember 1924 besteht sie ihr Juraexamen an der Zentralen Universität Madrid (heute Universidad Complutense), 1925 wird sie Mitglied der Juristenkammer. Während dieser Zeit hält Campoamor an verschiedenen Orten unermüdlich Vorträge zu Themen wie ‚Die neue Frau’, Feminismus oder Frauenrechte.
Zugleich nimmt sie ihre Aufgaben als Rechtsanwältin und Juristin mit größtem Elan und Engagement wahr.

 

Seit dem Ende des 1. Weltkrieges verändert sich auch in Spanien das Leben. Es gründen sich etliche Frauenvereine, die von Frauen geleitet werden, die häufig im kulturellen Bereich tätig sind. Darunter sind Schriftstellerinnen (z.B. María Lezárraga) und Akademikerinnen, wie etwa María de Maeztu, die am 4. November 1926 den ersten feministischen Verein Spaniens gründet, den Lyceum Club. Zu den Mitbegründerinnen gehört auch Clara Campoamor. Ihr ist es besonders wichtig, die spanischen akademischen Frauenvereine, insbesondere die Juristinnen, international einzubinden, und sie investiert einen Großteil ihrer Zeit und Energie in diese Aufgabe.

 

Anfang 1930, nach einem Kongress der Vereine, die den Völkerbund unterstützen, gründet Campoamor zusammen mit anderen Frauen die Liga Femenina Española por la Paz (Spanischer Frauenbund für den Frieden). 1931 ist sie aktive Teilnehmerin an einer Versammlung des Völkerbunds zum Thema „La voz y el voto de las mujeres. El sufragismo en España 1877-1931“ (Die Stimme und die Wahl der Frauen. Das Frauenwahlrecht in Spanien 1877-1931). Der Spanische Akademische Frauenbund wurde über die International Federation of University Women zu diesem Kongress eingeladen.

 

Clara Campoamor und Victoria Kent übernehmen als Rechtsanwältinnen 1931 die Verteidigung einiger Angeklagter, die der Teilnahme am republikanischen Aufstand gegen die Diktatur vom Dezember 1930 beschuldigt wurden. Campoamor ist für die Verteidigung ihres Bruders Ignacio in San Sebastián zuständig, Kent verteidigte den Historiker Álvaro de Albornoz in Madrid; sie sind die ersten Frauen, die vor einem spanischen Militärgericht aussagen.

 

Kurz vor der Proklamation der 2. Republik beginnt Clara Campoamors politische Laufbahn. In ihrem Buch El voto femenino y yo. Mi pecado mortal (Das Frauenwahlrecht und ich. Meine Todsünde) berichtet sie über ihren politischen Werdegang. Die 2. Spanische Rebublik wird am 14. April 1931 ausgerufen. Frauen können jetzt für die Wahlen zum nationalen Parlament kandidieren und gewählt werden, aber dürfen selbst keine Stimme abgeben.

 

Drei Frauen, Clara Campoamor, Victoria Kent (beide für die Provinz Madrid), Margarita Nelken (für die Provinz Badajoz) werden ins Parlament gewählt. Clara Campoamor ist die erste Frau in Spanien, die im Parlament eine Rede hält. Ziel der drei Abgeordneten ist die Verteidigung der Frauenrechte im Parlament. Doch während Kent und Nelken dafür plädieren, den Zeitpunkt der Einführung des Frauenwahlrechts zu verschieben, hört Clara Campoamor nicht auf, es im Parlament tagaus tagein mittels leidenschaftlicher Reden zu fordern. Doch ein Großteil der Abgeordneten im Parlament, quer durch alle Parteien, ist aus verschiedensten Gründen gegen diesen Schritt.

 

In ihrer Parlaments-Rede 1931 entgegnet sie den Vorwürfen, dass es Frauen an der Reife fehlt, um mit der Freiheit und der Demokratie umzugehen, mit einem Humboldt-Zitat: “Die einzige Möglichkeit, für die Ausübung der Freiheit zu reifen und sie allen zugänglich zu machen, besteht darin, in ihr zu laufen“.

 

Schließlich, am 1. Oktober 1933, spricht sich das Parlament mit knapper Mehrheit dann doch für das Wahlrecht der Frauen aus.

Die einzige Möglichkeit, für die Ausübung der Freiheit zu reifen und sie allen zugänglich zu machen, besteht darin, in ihr zu laufen.

Clara Campoamor wird nicht ins Parlament wiedergewählt. Ihre Arbeit als Juristin gibt sie aber nicht auf. Auch Kent verliert ihren Sitz als Abgeordnete.

 

Kurz nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli 1936 geht Clara Campoamor mit ihrer alten Mutter und einer jungen Nichte ins Exil, zunächst nach Genf, dann nach Lausanne. 1938 bis 1955 ist ihr Exilland Argentinien. In Buenos Aires arbeitet sie als Übersetzerin und hält Vorträge über juristische, gesellschaftspolitische, frauenspezifische und viele andere Themen. Mehrmals versucht sie, eine Daueraufenthaltserlaubnis in Spanien zu bekommen, was ihr aber mit der Begründung verwehrt wird, dass sie Freimaurerin und Kommunistin sei. Letzteres ist sie nie gewesen und die guten Kontakte, die sie eine Zeitlang zu einer Freimaurerloge unterhielt, hatte sie bereits vor vielen Jahren abgebrochen. Da sie es aber im Argentinien des General Perón nicht länger aushält, kehrt sie nach Lausanne zurück. Ihre langjährige Kollegin und enge Freundin Antoinette Quinche steht ihr zur Seite, bis sie dort im April 1972 stirbt.

 

Nach ihrem erklärten Willen wird ihre Urne noch im selben Jahr nach San Sebastián überführt. Zu dieser Stadt hatte sie seit ihren ersten Berufsjahren als einfache Beamtin eine sehr enge Bindung.

 

MERCEDES FIGUERAS